DUKAT

Ofen- und herdfestes Porzellan war in den 1950ern ein großes Thema im Design. Alle nahmhaften Manufakturen bemühten sich, gute und optisch ansprechende Serien zu entwickeln. Keramische Gefäße konnten durch die Formbarkeit des Materials und schon alleine durch die Glasurfarbe weit variantenreicher gestaltet werden als das damals ebenfalls sehr beliebte Edelstahl.

Ein bestechender Vorteil von Porzellan war die Möglichkeit, ganze Service zu entwerfen, vom Kochtopf über die Gratinform zur Pfanne, vom Speiseteller über die Kaffeetasse bis hin zum Eierbecher.

Zudem speichert Porzellan die Wärme weit besser als Edelstahl und hält so das Essen bei Tisch länger warm.

Sven Erik Skawonius (1908-1981, S) entwarf einige Jahre lang bis 1954 für die Karlskrona Porslinsfabrik (1918 gegründet, 1968 stillgelegt) ein Service namens Dukat. Der Entwurfsprozess dauerte auch deshalb lange, weil Hemmets forskningsinstitut HFI beteiligt war, was der hohen Funktionalität äußerst zuträglich war. Dieses 1944 gegründete Institut hatte zum Ziel, Arbeitsabläufe im Haushalt zu rationalisieren, untersuchte also auch die Handhabbarkeit und Funktionalität von Geschirr.
Der Öffentlichkeit vorgestellt wurde Dukat 1955 bei der Hälsingborg-Messe H55 und entwickelte sich schnell zu einem Verkaufsschlager.
Ursprünglich war es einfärbig in unterschiedlichen Farben glasiert, später wurde das Service mit Skawonius‘ Dekor „Fiesta“ versehen, schließlich kam Eva Blahd Ståhls Dekor „Bellis“ hinzu.
Beim Material handelt es sich um Feldspatporzellan, ein sehr bruchfestes und hitzebeständiges Hartporzellan.

Es galt Platz zu sparen in den Küchenschränken, daher war Stapelbarkeit auch bei Dukat oberstes Gebot:

Die Teile für den Ofen oder Herd waren zudem sehr multifunktionell. Die Töpfe dienten als Aufbewahrungsbehälter und wanderten nach dem Essen mitsamt den Resten in den Kühlschrank.

Eine kleine Gratinform ließ sich auch gut als Servierschale einsetzen, die runden Auflaufformen konnten ebenso für Salate oder Desserts verwendet werden.

Dukat hat auf Schwedisch eine doppelte Bedeutung: Einerseits steht es für „aufgedeckt“, es bedeutet aber auch wie im Deutschen „Dukat“.

Die unterseitigen Stempel wurden über die Jahre verändert, hier eine ältere und eine etwas jüngere Version:

Bo G. Lindgren nahm Dukat als vorblidliches Geschirr in seinen form-Sonderband ¹) über Haushaltsporzellan auf, hier zwei Abbildungen aus dem Bändchen (S. 28 u. 55):

Seine Ausbildung hatte Skawonius in Stockholm an der Kunsthochschule Konstfack erhalten. In den späten 1930er Jahren, von 1935-39, arbeitete er als Gestalter bei der Keramikmanufaktur Upsala-Ekeby (kurz UE), deren künstlerische Leitung er dann 20 Jahre später von 1953-58 inne hatte. Zu diesem späteren Zeitpunkt war UE bereits ein größerer Konzern, UE hatte 1936 Gefle Porslinsfabrik und 1942 Karlskrona Porslinsfabrik gekauft. Später kamen mit der Idee des „einen Konzerns für den gedeckten Tisch“ auch noch die Glasmanufakturen Reijmyre und Kosta Boda dazu, sowie die Besteckhersteller Gense und Gabis und schließlich sogar Schwedens ältester Porzellanhersteller Rörstrand. (Die heutigen Besitzverhältnisse sind völlig andere – das ergäbe einen eigenen Blogpost in process, nachdem der Hin- und Her-Ver-/Kauf unter den nordischen Konzernen ein lebhafter war und ist…).

Außer als Gestalter von Gebrauchskeramik war Skawonius noch auf vielen anderen Gebieten kreativ tätig: Grafikdesign (Bücher, Briefmarken, Plakate), Bühnenbildgstaltung (für die Stockholmer Oper und das Theater Dramaten), Entwurf von Kunstglas (in den 1940er Jahren für Kosta), Arbeiten in Silber, Dessins für Textilien und Tapeten gehörten dazu.
An der Konstfack unterrichtete er in den 1940er und 50er Jahren Glasdesign, sein Schüler Kjell Blomberg wurde sein Nachfolger.
Einige Jahre fungierte er auch noch als Geschäftsführer der schwedischen Designzeitschrift form (von 1946-49 sowie von 1958-60). Während dieser Zeit gab er u.a. das handliche und sehr informative kleine form-Sonderbändchen „Glas för hushållet“ ²) heraus.

Skawonius‘ Entwürfe befinden sich in vielen Museen, so ist zum Beispiel Dukat auch Teil der Sammlung des MAK.

 

Literatur:

Bo Gunnar Lindgren: Servisporslin (Svenska Slöjdföreningen/form, Sondernummer der Zeitschrift form im September 1962)

Sven Erik Skawonius (Hg.): Glas för hushållet. 600 svenska glas sammanställda av Sven Erik Skawonius (Svenska Slöjdföreningen/form, Sondernummer der Zeitschrift form im Januar 1960)

Inez Svensson (Idee): Tanken och handen. Konstfack 150 år (Page One Publishing AB Stockholm, 1994)


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